Status quo von Gold – Fazit
„All roads lead to gold.“
Kiril Sokoloff
- Fünf Säulen tragen den Goldbullenmarkt: die rapide Verschlechterung der Staatsfinanzen, das zunehmende Anti-USD-Sentiment, die erodierende Glaubwürdigkeit der Federal Reserve, die wachsende Rolle institutioneller Investoren und die Inflationsvolatilität.
- Staatsanleihen: Aus der „risikofreien Anlage“ wird die „renditefreie Risiko-Anlage“. Die globale Verschuldung erreichte Ende 2025 den Rekordwert von 348 Bill. USD, die USA durchbrachen am 17. März 2026 die 39-Bill.-USD-Marke.
- De-Dollarization im Mainstream angekommen: Mit 56,9 % ist der Anteil des US-Dollars an den globalen Währungsreserven so niedrig wie zuletzt vor rund drei Jahrzehnten. Auch wenn der jüngste Rückgang teilweise wechselkursbedingt ist – die strukturelle Diversifikationsbewegung bleibt unverkennbar.
- Die Allokationslücke bleibt groß: Unsere Langzeitanalyse verortet die optimale Goldquote zwischen 14 und 20 %, Morgan Stanley empfiehlt mittlerweile 20 % Gold im 60/20/20-Portfolio. Die Allokationen institutioneller Investoren verharren jedoch im niedrigen einstelligen Bereich – die Diskrepanz war selten so groß. Gold entwickelt sich vom Satellite-Investment zum Core-Investment.
- Rohstoffe bleiben historisch extrem günstig: Das GSCI/S&P 500-Ratio notiert bei 0,81 – weit unter dem langfristigen Median von 3,87. Selten waren Sachwerte gegenüber Finanzwerten derart unterbewertet.
- Das System kollabiert nicht, es schmilzt: Denominator Decay macht Gold zur Schweiz der Währungswelt – nicht günstig, aber verlässlich, neutral und vertrauenswürdig.
- Die Incrementum-Ratios (Wiesnbier, iPhone, Skiticket) bestätigen: Die Kaufkraft von Gold steigt kontinuierlich.
Nach unserer Tour de Force durch das vielfältige Golduniversum wollen wir die wichtigsten Gedanken abschließend zusammenfassen. Der Goldbullenmarkt ist kein Strohfeuer, sondern das sichtbare Resultat tektonischer Verschiebungen im globalen Finanzsystem. 2025 und die ersten Monate des Jahres 2026 haben nicht einzelne Datenpunkte verändert, sondern ganze Fundamente ins Wanken gebracht: die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen, den Weltreservestatus des US-Dollars, die Glaubwürdigkeit der Federal Reserve, die Portfolio-Architektur institutioneller Investoren und die mentale Inflationskalibrierung einer ganzen Anlegergeneration. Fünf Säulen, fünf Kipppunkte — und Gold ist der rote Faden, der sie verbindet.
Die 5 Säulen des Gold-Bullenmarkts
1. Rapide Verschlechterung der Staatsfinanzen
Die globale Verschuldung erreichte per Q4/2025 mit 348 Bill. USD ein neues Rekordniveau und legte binnen eines Jahres um 29 Bill. USD zu. Die USA durchbrachen am 17. März 2026 die Marke von 39 Bill. USD bei einer Staatsschuldenquote von bereits mehr als 120 %; das Fiskaljahr 2025 schloss mit einem Defizit von 1,8 Bill. USD, und die Nettozinszahlungen übertrafen neuerlich den Verteidigungshaushalt. Wohin das Auge in der OECD-Welt auch blickt: Staatsschuldenquoten deutlich im dreistelligen Prozentbereich, Deutschlands Abschied von der fiskalischen Vorbildfunktion — die risikofreie Anlage mutiert zusehends zur renditefreien Risiko-Anlage.
Zinssatz der US-Gesamtverschuldung und US-Leitzins (lhs), und US-Zinsleistungen (rhs), in % des US-BIP, Q1/1955–Q1/2026

Quelle: CBO, Federal Reserve St. Louis, LSEG, Incrementum AG
2. Beschleunigung des Anti-US-Dollar-Sentiments
Das Einfrieren der russischen Währungsreserven 2022 war der Paradigmenwechsel, der das Fass zum Überlaufen brachte. Plötzlich war die unangenehme Wahrheit nicht mehr zu ignorieren: US-Treasuries sind weder „risikofrei“ noch unbedingt verfügbar. Seither diversifizieren insbesondere Schwellenländer-Zentralbanken beschleunigt weg vom Dollar hin zu Gold – dem einzigen Reservemedium ohne Gegenpartei-Risiko.
Die Statistik bestätigt diesen monetären U-Turn aus zwei Blickwinkeln: Inklusive Gold ist der US-Dollar-Anteil an den globalen Zentralbankreserven auf rund 43 % gefallen – der niedrigste Wert seit 1994. Ohne Gold, also in der reinen Devisenreserven-Optik, sind es 56,9 % – so wenig wie seit rund 30 Jahren nicht mehr. Welche Linse man auch wählt: Die De-Dollarization ist im Mainstream angekommen.
Zusammensetzung der globalen Gesamtreserven, 1970–Q3/2025

Quelle: IWF, World Gold Council, Incrementum AG
3. Erodierende Glaubwürdigkeit der Federal Reserve
Die Federal Reserve hat seit September 2024 den Leitzins kumuliert um 175 Basispunkte gesenkt – von 5,25–5,50 % auf 3,50–3,75 %. Die 10-jährige Treasury-Rendite ist im selben Zeitraum jedoch um rund 50 Basispunkte gestiegen, auf zuletzt 4,4 %. Eine solche Konstellation – Zinssenkungen bei gleichzeitigen Allzeithochs von S&P 500, M2, Staatsschulden und Gold – ist historisch beispiellos.
Das implizite 2 %-Inflationsziel hat die Federal Reserve damit faktisch begraben, ohne es offiziell beerdigen zu müssen. Der Bondmarkt hat das längst verstanden: Die Renditekurve preist nicht mehr Glaubwürdigkeit, sondern Misstrauen ein. Bestätigt wird dieser Kurswechsel durch Äußerungen von Kevin Warsh, der während der Senatsanhörung am 21. April 2026 explizit einen „regime change“ und ein „new framework for inflation“ ankündigte. Wer ein neues Framework braucht, hat das alte stillschweigend aufgegeben.
4. Institutionelle Investoren wachen langsam auf
Gold-ETFs machen lediglich 0,17 % der US-Privatportfolios aus und liegen damit 6 Basispunkte unter dem Peak von 2012. JPMorgan sieht Potenzial für einen Anstieg der Allokation von derzeit 2,8 % auf 4–5 %, und Morgan Stanley empfiehlt mittlerweile ein 60/20/20-Portfolio, bestehend aus 60 % Aktien, 20 % Bonds, 20 % Gold. Für uns steht fest: Gold entwickelt sich vom Satellite-Investment zum Core-Investment.
5. Inflation: Der fiskalische Brandbeschleuniger
Wie sehr der Bondmarkt dennoch in die alte 2 %-Welt vertraut, zeigen die Breakeven-Spreads: Per April 2026 notieren sie bei 2,58 % auf 5 Jahre, 2,38 % auf 10 Jahre und nur 2,24 % auf 30 Jahre. Die invertierte Form ist verräterisch: Je länger der Horizont, desto niedriger die erwartete Inflation – als ob die strukturellen Treiber der vergangenen Jahre über Nacht verschwinden würden. Investoren kalibrieren ihre Zukunftserwartungen an einer Vergangenheit, die 2022 strukturell zu Ende ging und ignorieren dabei, dass das 20. Jahrhundert allein in den USA drei wuchtige Inflationswellen kannte: 1940–47, 1966–70 und 1973–82. Eine intellektuelle Wette mit asymmetrischem Auszahlungsprofil – und genau hier liegt die strategische Chance für Gold.
Fünf Säulen, fünf Bruchstellen — und alle weisen in dieselbe Richtung. Was sich hier vollzieht, ist kein zyklisches Phänomen, sondern ein Regimewechsel: Das monetäre System der vergangenen Jahrzehnte verliert seine Ankerpunkte, und Gold rückt dorthin zurück, wo es über Jahrtausende stand — ins Zentrum.
Diese Rückkehr ist kein Zufall, sondern die logische Konsequenz ökonomischer Grundgesetze, die sich nicht wegregulieren lassen. Treue Leser wissen: Wir stellen stets die monetäre Funktion von Gold in den Vordergrund unserer Analysen. Geld unterliegt denselben ökonomischen Grundprinzipien wie alle Güter: Sein Wert wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Das Vertrauen in die Kaufkraft von Geld hängt somit maßgeblich von der Erwartung hinsichtlich des zukünftigen Geldangebotes ab. Steigt die Geldmenge stärker als das Waren- und Dienstleistungsangebot, sinkt über kurz oder lang die Kaufkraft. Dieses Grundgesetz der Ökonomie erklärt, warum Gold als natürliche Gegenposition zu ungedeckten Währungen fungiert: Sein Angebot kann nicht willkürlich ausgeweitet werden.
Der nächste Chart verdeutlicht die Entwicklung eindrücklich: Während die US-Bevölkerung seit 1900 von 76 auf knapp 344 Mio. um den Faktor 4,5 wuchs, explodierte die Geldmenge M2 von 9 Mrd. auf fast 23 Bill. USD um mehr als das 2.500-Fache. Pro Kopf bedeutet dies einen Anstieg um mehr als das 540-Fache von 109 USD auf über 63.000 USD. Die Geldmenge ist zu einer Hülle ohne Substanz geworden – nominell gewachsen, real entwertet.
US-M2-Geldmenge pro Kopf, in USD, 1900–2025

Quelle: Nick Laird, LSEG, Incrementum AG
Das Geldmengenwachstum ist langfristig ein zentraler Treiber des Goldpreises. Nach drei Jahren mit mitunter negativen Wachstumsraten legt die globale Geldmenge nun wieder rascher zu, bewegt sich aber weiterhin am unteren Ende der historischen Bandbreite. Im langfristigen Durchschnitt ist M2 in den G20-Ländern um 6,6 % pro Jahr gewachsen. Dass es zu einer signifikanten Beschleunigung kommen wird, ist die These unseres Freunds Larry Lepard in seinem empfehlenswerten Buch „The Big Print“. Wenn es tatsächlich zum Big Print kommt, wird dieser als zusätzlicher Katalysator für den Goldpreis wirken.
Aggregierte M2-Geldmenge der Top-20-Volkswirtschaften (lhs), in Bill. USD, Gold (rhs), in USD, 01/2006–03/2026

Quelle: LSEG, Incrementum AG
In unseren Interviews und Vorträgen betonen wir stets: Gold ist keine (Ersatz-)Religion, keine eierlegende Wollmilchsau und kein Allheilmittel für jedes Portfolioproblem. Umso berechtigter ist die Frage nach der richtigen Gewichtung. Ein pragmatischer Bezugspunkt für Privatanleger ist der Goldanteil an den Währungsreserven der Zentralbanken: Weltweit liegt dieser bei rund 24 %, in den westlichen Industrienationen jedoch noch deutlich höher.
Goldreserven, Q3/2025

Quelle: IWF, Weltbank, World Gold Council, Incrementum AG
Unsere eigene quantitative Langzeitanalyse für den Zeitraum 1970 bis 2024, die wir im In Gold We Trust-Spezial „The Optimal Gold Allocation“ vorgestellt haben, bestätigt diesen Befund: Die idealen Goldquoten bewegen sich je nach Risikoaversion zwischen 14 und 20 %.
Westliche Investoren – privat wie institutionell – sind davon aber noch weit entfernt; gemessen an dieser Benchmark könnte man sagen: so weit entfernt wie Wacker Innsbruck vom Champions-League-Sieg. Spät, aber doch scheinen nun auch westliche Finanzinvestoren Gold wiederzuentdecken. Das zeigt das markante Anziehen der ETF-Nachfrage in den vergangenen Monaten. Ein wesentlicher Grund dafür scheinen die latenten Inflations- bzw. Stagflationssorgen zu sein. Wie wir zuvor erläutert haben, erwarten wir in den nächsten Jahren eine erhöhte Inflationsvolatilität und mindestens eine weitere Inflationswelle. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Korrelation zwischen Aktien und Staatsanleihen positiv bleibt, was die Argumente für negativ korrelierte Portfolio-Hedges wie Gold umso stärker untermauert.
US-CPI, yoy, und 5-Jahres-Volatilität US-CPI, 01/1925–03/2026

Quelle: LSEG, Incrementum AG
Wie im In Gold We Trust-Report 2025 „The Big Long“ prognostiziert, sind nach Gold ebenfalls Silber und Minenaktien sowie letztlich auch Rohstoffe aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Grundsätzlich bietet eine Rohstoffallokation Investoren drei potenzielle Vorteile:
- langfristig positive Renditen,
- geringe Korrelationen zu Aktien und Anleihen und
- Absicherung gegen Inflationsdruck.
Der Rohstoffanalyst und Investor Craig Tindale argumentiert in seinem Substack-Artikel „Copper: Limits to Growth in the Age of Demand Simultaneity“, dass die physische Welt den digitalen Ambitionen des KI-Zeitalters harte Grenzen setzt.[1] Seine These: Zentralbanken können Geld drucken, aber sie können weder das Kupfer, noch die Schmelzhütten, noch die Minen drucken, die für den Aufbau der Infrastruktur eines KI-Booms benötigt werden. Die Minen sind nicht erschlossen, die Schmelzhütten nicht gebaut, doch die Nachfrage ist bereits da.
Mit zunehmender Verknappung, so Tindale, werde Kupfer vom Industrierohstoff zum strategischen Gut aufsteigen — mit Exportbeschränkungen, strategischer Bevorratung und staatlicher Zuteilung an bevorzugte Industrien. Verteidigung und kritische Infrastruktur werden priorisiert, der private Markt kämpft um die Reste. Tindales Schlussfolgerung ist markig: Die derzeit im Bau befindlichen KI-Rechenzentren könnten die letzte Welle sein, die vor dem Engpass noch fertiggestellt wird. Die digitale Welt ist ein Mieter der physischen Welt — und die Miete ist fällig.
Dass die Kapitalmärkte diese physischen Realitäten noch kaum eingepreist haben, zeigt ein Blick auf die relative Bewertung von Rohstoffen zum Aktienmarkt. Der folgende Chart ist treuen Lesern seit Jahren ein Begleiter. Er zeigt, dass Rohstoffe gegenüber Aktien weiterhin historisch extrem günstig bewertet sind. Der GSCI-CommodityIndex (TR) hat sich gegenüber dem S&P 500 von seinem historischen Tief im April 2020 bislang kaum erholt. Das Ratio beträgt aktuell 0,81. Es ist damit meilenweit von den Höchstständen entfernt und weiterhin deutlich unter dem langfristigen Median von 3,87.
S&P GSCI-Total-Return-Index/S&P 500-Ratio, 01/1970–04/2026

Quelle: LSEG, Incrementum AG
Zur Bewertung des Goldpreises: Schon zu teuer oder immer noch günstig?
In Folge des markanten Goldpreisanstiegs der letzten Monate drängt sich nun die Frage auf: Ist Gold nun bereits zu teuer?
Treue Leser unseres Reports wissen: Wert ist subjektiv. Objektive Faktoren wie zum Beispiel die Produktionskosten spielen bei der Bewertung nur eine untergeordnete Rolle. So liegt der Marktwert eines Meisterwerks von Vincent van Gogh weit über dessen Herstellungskosten, ein Glas Wasser inmitten der Wüste wird anders bewertet als am Ufer des Wolfgangsees, und das erste Bier nach einer ausgedehnten Wanderung hat einen höheren Grenznutzen als das fünfte.
Bereits im In Gold We Trust-Report 2019 „Gold im Zeitalter der Vertrauenserosion“ haben wir uns im Kapitel „Die wegweisende Bedeutung der Exter-Pyramide“ ausführlich mit den Thesen von John Exter befasst.[2] Er sah Gold als Spitze einer umgekehrten Schuldenpyramide, die in Wahrheit jedoch gar nicht Teil dieser Pyramide ist: Während sämtliche Elemente der Pyramide Schulden sind – selbst Bargeld stellt eine Verpflichtung der Zentralbank dar – ist Gold keine Verbindlichkeit und damit die einzige echte Alternative zu Fiat-Geld.
Bis dato führten Krisen eher zu einer Flucht in US-Staatsanleihen als in Gold, was die Schuldenpyramide stabil hielt. Dies hat sich im Zuge der Marktturbulenzen nach dem Liberation Day und dem Ausbruch des Iran-Kriegs grundlegend geändert. Trotz zwischenzeitlich starker Verluste an den Börsen wurden zeitgleich auch US-Treasuries abgestoßen. Ob diese Entwicklung eine nachhaltige Veränderung der Reaktionsfunktion bedeutet, ist aktuell noch nicht absehbar. Doch schwindet einmal das Vertrauen in US-Staatsanleihen, so würde die Pyramide kollabieren, und Gold würde zum letzten Zufluchtsort aufsteigen.

Quelle: BIS, Econovis, IIF, IMF, Savills Research, TradingView, World Gold Council, MiningVisuals, Incrementum AG
Exters zentrale Warnung gilt heute mehr denn je: Was geschieht, wenn Finanzwerte, deren Liquidität als selbstverständlich galt, plötzlich keine Nachfrage mehr finden? Dann fällt das Kartenhaus zusammen — und Gold steht bereit, die Rolle des letzten Liquiditätsankers zu übernehmen.
Eine Möglichkeit, das Problem der Unvergleichbarkeit von Preisen im Zeitverlauf zu lösen, sind inflationsbereinigte Zeitreihen. Nachfolgend stellen wir den Goldpreis sowohl nominell als auch inflationsbereinigt dar. In der inflationsbereinigten Betrachtung auf Grundlage der offiziellen CPI-Zahlen hat Gold das reale Allzeithoch auf Monatsendbasis von 2.772 USD aus dem Jahr 1980 im Oktober 2024 überschritten.
Gold, Nominal, und US-CPI-bereinigt, in USD, 01/1970–04/2026

Quelle: LSEG, Incrementum AG
Fazit
Das System kollabiert nicht — es schmilzt. Was wir erleben, ist kein dramatischer Zusammenbruch, sondern ein schleichender Zerfall des Nenners. Die Recheneinheit selbst — das Fiat-Geld, in dem wir Werte beziffern — verliert an Substanz. Wir nennen diesen Prozess Denominator Decay: eine Erosion, die sich nicht in Schlagzeilen, sondern in stiller, beharrlicher Kaufkraftvernichtung vollzieht.
Die Konsequenzen sind alles andere als still. In einer instabilen Welt suchen Menschen nach Ankern — nach Wertträgern, deren Substanz nicht von der Glaubwürdigkeit eines Emittenten abhängt. Wenn Anleger, die ihr Leben lang an DCF-Modelle und die Effizienzmarkthypothese geglaubt haben, plötzlich Gold kaufen, geschieht mehr als eine taktische Portfolioentscheidung: Es ist die Psychologie der Berührung — das Bedürfnis nach einem Asset, das man anfassen, wiegen, in der Hand halten kann.
Gold ist kein Panik-Trade. Es ist ein Preparedness-Trade — die Schweiz der Währungswelt: nicht günstig, aber verlässlich, neutral und vertrauenswürdig.
In Gold We Trust-Spezial: Incrementum Gold/ Wiesnbier-Ratio[3]
Am 19. September heißt es auf der Münchner Theresienwiese wieder: „O‘zapft is!“. Der Bierpreis für das Oktoberfest 2026 steht noch nicht fest — aber eines schon: Die Bierkaufkraft des Goldes wird erneut deutlich höher liegen. Ende August 2025 notierte Gold bei 2.950 EUR, Mitte April 2026 bereits bei knapp 4.100 EUR — ein Plus von mehr als einem Drittel in einem halben Jahr.
Hätte das Oktoberfest Mitte April seine Pforten geöffnet, läge das Gold/Wiesnbier-Ratio bereits bei 249 Maß, nach 186 Maß am Oktoberfest 2025. Das ist ein Anstieg um ein Drittel, selbst wenn wir einen weiteren Anstieg des Euro-Preises für eine Maß im Ausmaß der bislang letzten Preiserhöhung auf bis zu 16,30 EUR unterstellen. 2024 kaufte eine Unze Gold 148 Maß, 2023 waren es nur 119 und damit weniger als halb so viele wie aktuell.
Gold/Wiesnbier-Ratio, 1950–2026

Quelle: Statista, LSEG, Incrementum AG
Weil die Preisentwicklung einer Maß Wiesnbier in den vergangenen Jahren so steil nach oben zeigte – seit 2019 beträgt das Plus mehr als ein Drittel – wird bislang Unmögliches offen zur Diskussion gestellt. Der Präsident des Bayerischen Brauerbundes schlug nämlich vor, einen Eintrittspreis für das Betreten des Festgeländes auf der Theresienwiese zu verlangen. Den Wirten soll diese zusätzliche Einnahmequelle die Möglichkeit eröffnen, den Bierpreisanstieg zu dämpfen.
Ist Gold auf der Wiesn somit bereits maßlos überteuert? Das alte Rekordhoch von 227 Maß aus dem Jahr 1980 wurde mittlerweile deutlich übertroffen, vom 77-jährigen Durchschnitt von 93 Maß ganz zu schweigen. Insofern heißt es, ein wenig Acht zu geben, zumindest auf die eigene Leber.
In Gold We Trust-Spezial: Incrementum iPhone/Gold-Ratio[4]
„iPhone zum Schleuderpreis“ – so müsste die Schlagzeile lauten. Mitte April kostete das iPhone 17 Pro Max mit 1 TB Speicher nur mehr 0,33 Unzen Gold – der niedrigste Preis in der gesamten iPhone-Geschichte. Für das allererste iPhone waren 0,92 Unzen fällig, fast drei Mal so viel wie heute. In US-Dollar hingegen blieb der Listenpreis mit 1.599 USD unverändert – ein kleiner Trost für jene iPhone-Liebhaber, die nicht in Gold investiert waren.
iPhone/Gold-Ratio (lhs), und Gold und iPhone (rhs), in USD, 2007–2025

Quelle: venturebeat.com, LSEG, Incrementum AG
Auf US-Dollar-Basis beläuft sich die Preissteigerung im Schnitt 5,5 % pro Jahr. Für den Goldanleger sieht die Welt deutlich glänzender aus: Im selben Zeitraum legte der Goldpreis durchschnittlich um 11,4 % pro Jahr zu. In Gold gerechnet ist das iPhone somit jährlich um 5,5 % billiger geworden. Für dieses Weniger an Gold hat der Käufer allerdings Jahr für Jahr mehr iPhone erhalten. Die Leistungsverbesserungen sind enorm, wie die nachfolgende Tabelle illustriert.

In Gold We Trust-Spezial: Incrementum Gold/ Skiticket-Ratio[5]
„Skiticketpreise im freien Fall“. Noch nie konnte man mit einer Unze Gold in den vergangenen 35 Jahren auch nur annähernd so viele Tagesskikarten erwerben wie heuer, nämlich 48 Stück. In der vergangenen Wintersaison waren es lediglich 35 Tageskarten eines gleichgewichteten Index aus 11 Skigebieten[6] gewesen, und damit um 13 Stück weniger. Dabei legte bereits im Vorjahr das Gold/Skiticket-Ratio um 29,6 % zu.
Noch günstiger wurde das Frühlingskifahren. Die Fortsetzung der Goldpreisrally führte dazu, dass Goldanleger Mitte April für eine Unze 54 Tageskarten und damit 6 Tageskarten mehr als drei Monate zuvor erhielten. Anders gesagt: Kostete im Jänner eine Tageskarte noch 0,021 Unzen, waren es Mitte April nur mehr 0,019 Unzen.
Gold/Skiticket-Ratio, WS1990/91–WS2025/26

Quelle: ZUKUNFT SKISPORT, LSEG, Incrementum AG
Bemerkenswert ist der Vergleich zu den wesentlich teureren Skigebieten in Nordamerika. Für eine Unze Gold hätte man in Vail Mitte April gerade einmal 14 Tage lang die Pisten runterwedeln können, in Whistler immerhin 20 Tage. Im Vergleich dazu erweisen sich die österreichischen Top-Skigebiete als Okkasion.
Das trifft auch für jene Skifahrer in Österreich zu, die nicht auf Gold setzten. Der Teuerungstrend setzte sich im Vergleich zum Vorjahr zwar fort, im Schnitt um 4,8 %. Im Vergleich zur Wintersaison 2019/20 sind Tageskarten insgesamt um beachtliche 41,8 % teurer geworden. Mit Tagespreisen unter 80 EUR kostet ein Tag Skivergnügen in den österreichischen Alpen allerdings deutlich weniger als in den Bergen Nordamerikas.
[1] Siehe auch die Debatte „Shovels, Not Spreadsheets – Eine Debatte zwischen Luke Gromen und Craig Tindale“ in diesem In Gold We Trust-Report
[2] Das Kapitel enthält auch ein Exklusivinterview mit Barry Downs, dem Schwiegersohn von John Exter.
[3] Ausführlicher widmen wir uns dem Gold/Wiesnbier-Ratio alljährlich im Herbst in einem In Gold We Trust-Special. Für das In Gold We Trust-Special aus dem Vorjahr siehe „O’zapft is! – Das Gold/Wiesnbier-Ratio 2025“, In Gold We Trust-Spezial, September 2025
[4] Ausführlicher widmen wir uns dem iPhone/Gold-Ratio wieder in diesem Herbst in einem In Gold We Trust-Special, wenn das neue iPhone präsentiert wird. Für das In Gold We Trust-Special aus dem Vorjahr siehe „Das iPhone/GoldRatio-2025“, In Gold We Trust-Spezial, September 2025
[5] Für das In Gold We Trust-Special aus diesem Winter siehe „Schifoan – Das Gold/Skiticket-Ratio 2026“, In Gold We Trust-Spezial, Jänner 2026. Ein Update publizieren wir zu den Hahnenkammrennen in Kitzbühel Ende Jänner 2027.
[6] Das sind die Skigebiete Stubaier Gletscher, Kitzbühel, Obertauern, Kleinwalsertal, Arlberg, Wilder Kaiser, Sölden, Wagrain/Snow Space, Fiss, Steinplatte und Schmittenhöhe. Wir danken Günther Aigner von ZUKUNFT SKISPORT, einem der renommiertesten Experten und Top-Speaker zum Thema Wintersport, für die Daten.

